pomegranate_micronutrients150Neben den klassischen Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Proteine und Fett) werden mit pflanzlicher Kost stets auch sekundäre Pflanzeninhaltstoffe zugeführt. Diese Substanzen haben in der Pflanze wesentliche protektive Effekte, zum Beispiel als Schutz gegen UV-Strahlung, Insektenfraß, Pilze oder Bakterien. Ca. 5-10.000 unterschiedliche Verbindungen werden regelmäßig mit der Nahrung zugeführt.

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Während in der Vergangenheit vor allem Pflanzengifte im Zentrum des Interesses standen – mithin also Stoffe mit hochpotenten pharmakologischen Eigenschaften – wurden der Großteil der ungiftigen Substanzen wie zum Beispiel die ubiquitär in Pflanzen vorkommenden Flavonoide als „Nichtnährstoffe“ wenig beachtet. Heute setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass gerade diese sekundären Pflanzeninhaltstoffe in vitaminähnlicher Weise nicht nur an der Feinsteuerung einer Vielzahl physiologischer Mechanismen beteiligt sind, sondern dass die Zufuhr im Stoffwechselsystem sogar fest „eingeplant“ ist.

tomatoes_micronutrientsSekundäre Pflanzeninhaltstoffe üben im menschlichen Organismus vielfältige gesundheitlich positive Funktionen aus, zum Beispiel im Verdauungstrakt, im Herz-Kreislauf-System, der Steuerung von Blutfett- und Blutzuckerhaushalt, und vor allem aber im Immunsystem. Hinsichtlich immunologischer Prozesse wie Entzündungen, aber auch der Krebsentstehung, eröffnet dies Perspektiven für diätetische Präventionsmaßnahmen: Für beide Aspekte sind die Vorteile einer ausreichenden diätetischen Versorgung mit ausgewählten sekundären Pflanzeninhaltstoffen umfangreich untersucht und bestätigt.

broccoli_micronutrientsVielfach werden für die Effekte bestimmte Leitsubstanzen verantwortlich gemacht. Grundsätzlich gilt aber: Pflanzenextrakte sind mehr als die Summe ihrer Leitsubstanzen. Man geht bei den Extrakten von synergistischen Effekten verschiedener Inhaltstoffe aus. Typische sekundäre Pflanzenstoffe greifen an mehreren Targets zugleich an. Zwar ist an jedem Enzym oder Rezeptor die Effektstärke relativ gering, in der Summe der Einzeleffekte wird aber typischerweise ein Gesamteffekt von ca. 10-20 % oberhalb dessen erreicht, was mit Placebo beobachtet werden könnte – mithin eine für den Patienten spürbare positive Wirkung.

ginger_micronutrientsSehr gut untersuchte Beispiele für sekundäre Pflanzeninhaltstoffe mit Wirkung im Immunsystem sind Extrakte aus grünem Tee mit der Leitsubstanz Epigallocatechingallat (EGCG), Brokkoli (Isothiocyanate vom Typ des Sulphoraphan), Granatapfel (Polyphenole), Weintrauben (Resveratrol), Curcuma (Curcumin) oder Ingwer (Gingerole und Shoagole). Für alle diese Substanzen wurden Mechanismen im Zusammenhang mit Entzündung und Tumorprävention nachgewiesen. Typische Mechanismen im Immunsystem betreffen zum Beispiel die Hemmung von Mediatoren wie TNFα oder NF-κB, die Hemmung von Matrixmetalloproteasen oder der Komplementaktivierung, oder die Normalisierung der bei Entzündung und Krebsentstehung gestörten Apoptoserate.

green_tea_micronutrientsÜberschießende Reaktionen sind dabei in der Regel nicht zu erwarten: Insbesondere bei einer unzureichenden Zufuhr sekundärer Pflanzeninhaltstoffe, wie sie mit schweren Erkrankungen zumeist einhergeht, kann mit der gezielten Zufuhr bestimmter Pflanzenextrakte in nahrungsüblichen Dosen eine bessere Funktion des Immunsystems erreicht werden, während für die gesunden Gewebe keine negativen Konsequenzen zu erwarten sind.

Download: Vortrag: Ärztliche Fortbildungsreihe. Hamburg, 20. Juni 2009